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Resident Evil Requiem – Wenn Horror und Action im Gleichklang marschieren


Mit Resident Evil Requiem liefert Capcom nicht nur den neunten Hauptteil der legendären Reihe, sondern eine selbstbewusste Standortbestimmung nach 30 Jahren Survival-Horror-Geschichte. Zwischen klaustrophobischem Grauen und bombastischen Action-Setpieces entsteht ein Spiel, das die Identität von Resident Evil neu ausbalanciert – und dabei erstaunlich emotional wird.


Zwei Perspektiven, ein Albtraum

Im Zentrum stehen zwei Figuren, deren Leben durch den „schlimmsten Arbeitstag überhaupt“ für immer verändert wird: Grace Ashcroft und Leon S. Kennedy.

Grace, Tochter von Alyssa Ashcroft aus Resident Evil Outbreak, arbeitet als FBI-Analystin. Ein Mordfall führt sie zurück in das Hotel, in dem ihre Mutter einst starb – ein Ort, der sinnbildlich für all das steht, was in Raccoon City nie wirklich begraben wurde. Ihre Reise ist persönlich, schmerzhaft und von einer ständigen, nagenden Bedrohung begleitet.

Leon S. Kennedy hingegen, Ikone seit Resident Evil 2, ist längst kein Rookie mehr. Gezeichnet von Jahrzehnten bioterroristischer Einsätze, kämpft er diesmal nicht nur gegen Infizierte, sondern auch gegen eine rätselhafte Krankheit, die ihn selbst betrifft. Wenn sich ihre Wege kreuzen, entsteht ein dynamisches Duo, das unterschiedlicher kaum sein könnte – und gerade deshalb so gut funktioniert.



Horror in der Ich-Perspektive, Action in der Dritten

Eine der größten Stärken von Requiem ist der Wechsel zwischen den Protagonisten – und damit auch zwischen Spielstilen und Perspektiven.

Grace wird bevorzugt aus der Ego-Perspektive gespielt. Enge Hotelflure, sterile Labore und die verfallenen Überreste von Raccoon City wirken so unmittelbarer denn je. Jeder Atemzug, jedes Knarren im Gebälk sorgt für Gänsehaut. Munition ist knapp, Feinde sind unberechenbar – und Grace ist keine Actionheldin. Sie schleicht, versteckt sich unter Möbeln, improvisiert mit Flaschen oder selbstgebauten Hilfsmitteln. Ihre Abschnitte sind purer Survival-Horror.

Leon hingegen bringt Tempo ins Spiel. In der Third-Person-Ansicht dominiert er das Geschehen mit Paraden, Nahkampf-Finishern und einer beeindruckenden Waffenvielfalt. Explosionen, Motorradverfolgungsjagden und Bosskämpfe erinnern an die actionreicheren Kapitel der Reihe, ohne den Horror völlig aus den Augen zu verlieren. Seine Coolness – inklusive trockener One-Liner – sorgt immer wieder für kleine Auflockerungen im sonst gnadenlosen Albtraum.

Dieser stetige Perspektivwechsel verhindert, dass das Spiel in eine Richtung kippt. Wenn Graces Passagen zu bedrückend werden, übernimmt Leon mit brachialer Entschlossenheit. Droht seine Action zu überdrehen, erdet Grace das Geschehen wieder mit blanker Angst.


Alte Wunden, neue Bedrohungen

Die Geschichte spielt rund 30 Jahre nach der Zerstörung von Raccoon City – jenem Ort, der die Reihe seit jeher prägt. Requiem nutzt diesen Hintergrund nicht nur als Fanservice, sondern als thematisches Fundament: Es geht um Vermächtnis, Trauma und die Frage, was jahrzehntelanger Bioterror mit Menschen und Institutionen anrichtet.

Eine interessante Neuerung betrifft das Virus selbst: Infizierte behalten Fragmente ihrer Erinnerungen. Soldaten greifen noch immer zur Waffe, Ärzte führen groteske „Operationen“ fort. Das verleiht den Zombies eine neue, verstörende Qualität – sie sind nicht bloß willenlose Hüllen, sondern verdrehte Schatten ihrer früheren Identität.

Natürlich gibt es auch klassische Puzzle-Passagen mit funkelnden Edelsteinen, Detonator-Teilen und verschlungenen Arealen. Vieles fühlt sich vertraut an – manchmal vielleicht zu vertraut –, doch das Gameplay ist so fein geschliffen, dass selbst bekannte Mechaniken wieder frisch wirken. Hier zeigt sich die Erfahrung aus drei Jahrzehnten Designgeschichte.



Mehr als Nostalgie

Requiem ist randvoll mit Anspielungen auf frühere Ereignisse, Figuren und Schauplätze. Doch statt wie bloßes Namedropping zu wirken, werden diese Rückgriffe organisch in die Handlung eingebettet. Sie spiegeln Leons Vergangenheit und eröffnen zugleich Perspektiven für Grace’ Zukunft.

Dabei bleibt der typische B-Movie-Charme der Reihe erhalten: überzeichnete Bosse, absurd große Waffen (natürlich trägt eine davon den Namen „Requiem“), pathetische Momente voller aufrichtiger, manchmal fast kitschiger Menschlichkeit. Und genau diese Mischung aus Ernst und Übertreibung ist es, die Resident Evil seit jeher ausmacht.



Wiederspielwert garantiert

Wie es sich für die Serie gehört, lädt Requiem zum erneuten Durchlauf ein. Feste Puzzle-Lösungen, freischaltbare Boni und optimierbare Routen sorgen dafür, dass Speedruns und höhere Schwierigkeitsgrade reizvoll bleiben. Man merkt: Capcom weiß, dass viele Spieler diesen Albtraum mehr als einmal durchleben wollen.


Fazit

Resident Evil Requiem ist ein eindrucksvolles Statement nach 30 Jahren Survival-Horror. Durch die beiden Protagonisten entsteht ein abwechslungsreiches Wechselspiel aus intensivem, gruseligem Horror und spektakulärer, aktiongeladener Inszenierung. Grace liefert die beklemmenden Momente, Leon die explosiven Höhepunkte – gemeinsam formen sie ein rundes, emotionales und spielerisch herausragendes Erlebnis.

Es ist schlockig, übertrieben und herrlich selbstbewusst – aber zugleich ein meisterhaft verfeinertes Stück Spieldesign. Für Fans der Reihe ist es Pflicht, für Genre-Liebhaber eine klare Empfehlung.

Resident Evil Requiem ist Resident Evil in Bestform – und wir empfehlen es ohne Einschränkung allen Horrorliebhabern.


Veröffentlichung: 03.03.2026

 
 
 

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